Warum in F-Dur fast das ganze Leben steckt….

Der etwas andere Akkord

Ein beliebter Satz von vielen Gitarrenschülern, die Liedbegleitung lernen, ist

„wenn ich erst einmal den F-Dur Barrégriff beherrsche…dann kann ich richtig Gitarre spielen!“

 

Ein großes Ziel, welches nicht nur hohe Erwartungen weckt…

Immer wieder erfahre ich, dass der Wunsch, den F-Dur Akkord greifen zu können, Ansporn und Angst zugleich bedeutet. Doch so wird der F-Dur Akkord schnell ein Angstgegner anstatt eines Spielpartners.

 

Deshalb hier ein paar Gedanken und Tipps – nicht nur beim F-Dur anwendbar 😉

 

1.       Weniger ist mehr - lass los

Häufig schnarrt die ein oder andere Saite beim Barrégriff und der F-Dur Akkord klingt nicht sauber. Um dies zu beheben denken viele, man müsse nur genug Kraft aufwenden und den linken Zeigefinger besonders stark auf das Griffbrett drücken - dann gäbe es auch saubere Töne… Doch je mehr Kraft ich einsetze, desto mehr schmerzt die Hand – ganz nach dem Motto „Barré tut weh“.

 

Nicht los-, sondern lockerlassen, ist das Geheimnis.

 

Das heißt, die Hand nicht verkrampfen oder mit besonders viel Kraft Zeigefinger- und Daumen gegen das Griffbrett pressen, sondern den Druck gezielt einsetzen. Man stelle sich vor, der Arm von Hand bis Ellenbogen zieht mit einem unsichtbaren Gewicht die Hand nach unten. So verlagert sich die Kraft automatisch und natürlich auf Finger und Griffbrett - ohne Schmerz. Wie auch sonst im Leben, kommt es auf die gesunde Mischung aus An- und Entspannung an.

 

2.      Fang klein an, statt zu vermeiden

Beginne nicht mit einem ganzen Barrégriff über alle Saiten, sondern mit einem halben Barré über die erste und zweite Saite. Dies ist für die Gewöhnung und beim Griffwechsel zunächst einfacher. Und – es ist besser als die Vermeidungsstrategie. Ich kenne Hobbygitarristen, die Songs mit Barregriffen meiden, umschreiben, transponieren oder ähnliches. Wenn der ganze Barre noch nicht klappt, taste dich langsam heran und übe zunächst die kleine Variante.

 

3.      Dranbleiben mit Gefühl

Wer kurz aber kontinuierlich trainiert, übt effektiver. Das heißt, trainiere den F-Dur Akkord immer wieder zwischendurch. Und wichtig , nicht so lange bis die Hand schmerzt, sondern erspüre, wann eine Pause nötig ist und wie lange Dur den Barrégriff trainieren kannst. Mit der Zeit fällt das Üben und Greifen immer leichter.

 

4.    Sei flexibel und ändere immer mal wieder den (Blick-)winkel

Nicht der direkte Weg ist zu Anfang immer der idealste. Das heißt zum einen „Die optimale Seite für die Saite“: Setze den Zeigefinger nicht gerade und plan mit der Innenseite des Fingers auf, sondern neige den Finger leicht nach links, sodass die Außenseite auf die Seiten drückt. Diese ist zwar etwas schmaler – aber auch gerader! Ohne die Einkerbungen zum Abknicken der Gelenke, ist diese Seite glatter und die Saiten werden so gleichmäßiger heruntergedrückt. Um die Druckpunkte zu testen, kannst Du beispielsweise zunächst einmal nur den 1. Finger im Barré auflegen und hören, ob alle sechs Saiten klingen oder irgendwo noch eine Saite schnarrt. Umgekehrt kannst Du natürlich auch den 2.,3. und 4. Zuerst alleine auflegen und nachträglich den 1. Finger zum Barré aufsetzen.

 

5.   Alles ist miteinander Verbunden

Wenn Du den F-Dur schon ganz gute greifen und spielen kannst, ist der nächste Schritt, ihn in die Akkordfolge des Songs einzubinden und die Griffwechsel zu trainieren. Ein F-Dur Akkord alleine bildet noch kein Lied, sondern steht immer in Verbindung und im Zusammenspiel mit den anderen Akkorden um ihn herum. Jeder Akkordwechsel ist unterschiedlich und erfordert einen anderen Bewegungsablauf, auf welchen sich der Spieler einstellen muss. Manchmal kann ein Finger liegen bleiben (z.B. der 3. Finger von C-Dur zu F-Dur) oder ich kann den Barrégriff sogar verschieben (z.B. in die 3. Lage zum G-Dur Akkord).

 

Wie so häufig ist auch der Barrégriff nicht eine Frage der Kraft, sondern der Technik – und des Übens. Zudem benötigt man Geduld - ähnlich wie beim Radfahren oder Schwimmen gelingt dies nicht sofort. Aber irgendwann hat man den Dreh heraus und denkt nicht mehr darüber nach (oder bricht in Panik aus), sollte im Song ein F-Dur Akkord vorkommen.

Und das Gute sowohl am Radfahren als auch Barrégreifen ist– einmal gekonnt, verlernt man es so schnell nicht mehr :-)

 

Kommentar schreiben

Kommentare: 0