Atme Dich frei

... da ist es wieder ... das Lampenfieber!

Unzählige Auftritte absolviert - und plötzlich ist es wieder da! Es hat sich leise von hinten angeschlichen und ließ nicht mehr los ... das Lampenfieber.

 

So erging es mir kürzlich bei einem Auftritt  - mit neuem Repertoire vor Fachpublikum.

Anlass mir Gedanken zu machen, wie ich damals, als ich noch regelmäßig und mit einer gewissen Routine konzertierte, mit den Minuten vor dem "raus auf die Bühne" umgegangen bin. 

 

Grundsätzlich ist Lampenfieber ja erst einmal nichts Schlechtes - eine gewisse Anspannung hilft uns präsent und konzentriert zu sein - kann uns leistungstechnisch sogar nach vorne bringen.

 

Auf die richtige Dosierung kommt es an. Gedankenkarussell und Kopfkino gilt es zu stoppen. Die Liste der Katastrophenvorstellungen lässt sich beliebig ausbauen - die Achtsamkeit und Konzentration hingegen ist dann dahin.

 

ATMEN hilft

Klingt simpel - ist auch simpel.

Jedoch - Gitarristen atmen grundsätzlich eher zu wenig. Das bringt das Instrument so mit sich. Anders als bei einem Blasinstrument oder beim Gesang benötigen wir die Atmung zur Tonerzeugung nicht zwingend. Da vergisst der Gitarrist das Atmen schon mal.....und hält sie bei Anspannung und Lampenfieber auch gerne mal komplett an...;-)

 

Doch genau das ist es, was hilft - sich auf den ATEM zu konzentrieren. Ich erinnere mich, dass ich früher vor Konzerten zum Einspielen nicht gerne mit mir alleine war. Dann kam ich ins Grübeln (in der Vergangenheit "habe ich auch genug geübt?" "kann ich wirklich alles auswendig?") und in der Zukunft ("Was ist, wenn ich mich verspiele, ich ein Blackout bekomme,  wenn das Publikum gelangweilt ist...?") und wusste nicht damit umzugehen. Ich habe mich abgelenkt, mit Konversation oder ähnlichem. Heute weiß ich, dass es der Versuch war, im gegenwärtigen Moment zu sein. Allerdings kam bei dieser Variante das Warmspielen und die Konzentration zu kurz.

 

Erst seit ich durch Yoga, regelmäßige Meditationspraxis und  Klosteraufenthalt in Plumvillage mehr über Achtsamkeit und die Bedeutung des Atmens erfahren habe, nutze ich diese, um mich besser fokussieren zu können.

 

Sobald ich mich auf meinen Atem (auf das EIN- und AUS-Atmen) konzentriere, habe ich eine Konstante und bin im HIER und JETZT. Atemzählübungen lassen mich dabei noch achtsamer und konzentrierter werden. Ebenfalls hilfreich, um die Nervosität zu senken, kann Bewegung sein: Durch eine kurze Gehmeditation fühle ich mich verbunden mit der Erde, lasse Gehen und Atmen miteinander verschmelzen und kann Stress abbauen. Wenn ich dabei auch noch lächle (wissenschaftliche Studien belegen, dass durch die aktivierten Muskeln beim Lächeln Glückshormone freigesetzt werden, die nicht nur fröhlich machen, sondern auch die Wahrnehmung verbessern und Ängste lösen können), bin ich perfekt für die Bühne vorbereitet.

 

Abschließend möchte ich folgende schöne meditative Atemübung aus dem Buch "Frei sein, wo immer du bist" von Thich Nhat Hanh mit Euch teilen:

 

"Während ich einatme, bin ich mir bewusst:
Ich atme ein.
Während ich ausatme, bin ich mir bewusst:
Ich atme aus.
Während ich einatme, spüre ich:
Mein Einatmen wird tiefer.
Während ich ausatme, spüre ich:
Mein Ausatmen wird länger.
Während ich einatme, beruhige ich mich;
Während ich ausatme, fühle ich mich erleichtert.
Während ich einatme, lächle ich,
Während ich ausatme, lasse ich los.
Während ich einatme, verweile ich im gegenwärtigen Augenblick.
Während ich ausatme, fühle ich:
dies ist ein wundervoller Augenblick."

 

Kurz bevor ich beginne zu spielen, atme ich einmal tief ein, wieder aus und wieder ein - dann starte ich. So bin ich ganz bei mir - und im musikalischen Moment.

Kommentar schreiben

Kommentare: 0