Üben, üben, üben - und was ist mit der Motivation?

"Es ist noch kein Künstler vom Himmel gefallen"
Sicherlich kennst Du diesen Spruch. Und es ist wahr - keiner der Michel Angelos, Da Vincis, Mozarts oder  Beethovens war auf der Stelle berühmt, erfolgreich oder perfekt in seiner Kunst.

 

"Du musst nicht spitze sein, um anzufangen. Aber du musst anfangen, um spitze zu werden.“ (Zig Zagler)

Sicherlich kennst Du Redewendungen wie "Talent ist nicht alles", Übung macht den Meister" oder  "Ohne Fleiß kein Preis". Wenn da nicht manchmal die Sache mit der Motivation wäre......

 

Motivation leitet sich vom lateinischen Verb "movere = bewegen" ab

Das heißt, wenn Du ein Motiv, also eine Motivation hast, etwas zu lernen, bewegst Du Dich und kommst ins Handeln. Zum Beispiel fängst Du an, Dein Lieblingsinstrument zu lernen.
Das bedeutet gleichzeitig, dass es sich hierbei um eine intrinsische Motivation handelt - weil Du selbst aus eigenem Antrieb das Instrument spielen lernen möchtest und Spaß dabei hast, dies zu tun.

 

„Wenn der Mensch kein Ziel hat, ist ihm jeder Weg zu weit.“ (unbekannt)
Zunächst hat man also ein bestimmtes "Motiv" anzufangen.
Beispiel: Gitarrenschüler xy hat das Ziel, in 3 Jahren in einer Band als E-Gitarrist zu spielen und mit ihnen auf der Bühne zu stehen.

Mit der anfänglichen Euphorie und dem Ziel vor Augen geht es zu Beginn meist leicht von der Hand - ähnlich wie bei den guten Vorsätzen im neuen Jahr. Doch was musst Du dafür investieren, um Dein Ziel zu erreichen? Zunächst einmal Zeit und Energie........

 

"Eine Reise endet nicht nur, weil zwischendrin mal der Schnürsenkel aufgeht." (unbekannt)

Doch wie auf jedem Weg sind auch Rückschläge und Hindernisse beim Erlernen eines Instruments unvermeidlich. Da heißt es "Dranbleiben auch bei Durststrecken". Deshalb habe ich im folgenden ein paar Tipps aus meinem eigenen Studium und als Diplommusiklehrerin zusammengetragen, welche helfen können, leichter am Ball zu bleiben.

 

1. Routine schaffen

Egal ob als Kind oder Erwachsener, zu allererst ist es wichtig, eine Übe-Routine zu schaffen. Das heißt zum einen, dass es wesentlich effektiver ist, wenn Du regelmäßig (täglich) in kleinen Einheiten übst, als z.B. 1x in der Woche ganz lange. Häufig rast die Woche von der einen Gitarrenstunde zur nächsten und der Schüler versucht das, was er in der vergangenen Woche nicht geübt hat noch schnell einen Tag vorher aufzuholen, indem er stundenlang übt. Hierbei liegt dann zum einen das Problem darin, die Konzentration hoch zu halten - zum anderen manifestiert sich das Geübte nicht. Hier greift das Thema "Lernen durch Wiederholung", welches ich in einem späteren Artikel noch einmal explizit aufgreifen möchte. So sollte das Motto "übe kurz aber oft" heißen.

 

Für Kinder kann es z.B. auch eine Unterstützung zur Routine sein, wenn man eine Eieruhr mit der Übezeit stellt (z.B. auf 10 Minuten). So bleibt die Übezeit fürs Kind spannend und offiziell: es kann beobachtet werden, wie lange noch trainiert werden muss  - und es kann vor allem nicht geschummelt werden ;-)

 

Zudem solltest Du Dich fragen: In welcher Zeit plane ich zu üben? Morgens vor dem Frühstück oder vielleicht abends nach dem Abendbrot? Übe am besten immer zur gleichen Tageszeit.

So kann das Üben zur Gewohnheit - ja sogar zum Ritual werden. Die Handlung des Übens wird automatisiert, ähnlich wie das morgendliche Zähneputzen - und so fester Bestandteil Deines Alltags. Man tut sie einfach, ohne darüber nachzudenken. Für Eltern entfallen durch die Integration dieser beschrieben Überoutine in den Alltagsablauf die nervenzehrenden, immer wiederkehrenden Diskussionen über die zu erledigende Gitarrenhausaufgaben mit den Kindern. 

 

2. Raum zur Entfaltung

Schaffe Dir einen angemessenen Rahmen und Raum für Deine Routine. Im Falle des Musikers oder Gitarrenschülers heißt dies: Suche Dir einen Raum, wo Du in Ruhe üben kannst und schaffe Dir Deine "Musik-Ecke". Das bedeutet zum einen: Das Instrument sollte, wenn möglich, offen sichtbar und spielbereit an einem festen Ort stehen (dazu einen passenden Stuhl, den Notenständer, etc. platzieren). So ist das Instrument zum einen immer präsent und fordert zum Üben auf; zum anderen entfällt die innere Barriere, dass man denkt, erst alles aufbauen zu müssen, um anfangen zu können.

 

3. Lass Dich nicht ablenken

Schaffe Dir bzw. Deinem Kind einen Raum und ein Zeitfenster, indem Du/es ungestört ohne Ablenkung Üben kann/st (kein Telefon, Fernseher, etc.).

Für mich war dies im Studium die "Übezelle" in der Hochschule. Häufig bevorzugte ich gegenüber meinem WG-Zimmer häufig einen ca. 10 m² kleinen Raum - nur mit Stuhl, Tisch und Notenständer ausgestattet. In der Übezelle war nichts, was mich hätte ablenken können - weder durch externe Einflüsse (z.B. Telefon - Handy zu Hause lassen ;-) noch eigene Unterbrechungen (z.B. Gang zum Kühlschrank). Die knapp bemessene Zeit von 2 Stunden, bis die Übezelle an den nächsten Studenten übergeben werden musste, nutzte ich voll und konzentriert aus.

 

3. "Gibt es etwa eine bessere Motivation als den Erfolg?" (Ion Tiriac)

Nicht nur im Sport kann Erfolg ein Motivator sein. Deshalb ist es wichtig auch Etappenziele zu feiern. Denn das anfänglich angeführte Beispiel mit dem Ziel des Gitarrenanfängers in einer Band spielen zu wollen, kann ganz schön weit entfernt sein...

 

Einfacher ist es, in Stufen zu denken. Um beim Sport zu bleiben: nicht gleich bei den Olympischen Spielen starten zu wollen, sondern erst einmal die Deutschen Meisterschaften in den Fokus zu nehmen. Eine Teiletappe auf dem Weg in die Band könnte es sein, mit dem Lehrer oder Freund einen Song einzuüben und im kleinen Kreis vorzuspielen. Wichtig ist, dass die Aufgaben überschaubar sind (auch bei den wöchentlichen Hausaufgaben). So lässt sich Frust vermeiden.

 

4. Weitere Motivations-Tipps 

  • Übe nicht nur, was Du noch nicht kannst, sondern spiele und erfreue Dich auch an dem, was du bereits kannst (z.B. zum Warmspielen vor dem Üben)
  • Belohne Dich zwischendurch und hole Dir positive Impulse von außen, z.B. durch einen Konzertbesuch
  • Schaffe Anreize, z.B. indem Du für ein kleines Vorspiel vor der Familie probst oder mit anderen zusammen musizierst
  • Sei begeistert, von dem was Du tust - oder überdenke Deine Ziele neu
  • Üben und Pausieren im Intervall: sollte es sich um zeitintensiveres Üben handeln, denke daran, entsprechend Pausen einzubauen. Zum einen kann die Konzentration nicht unendlich aufrecht erhalten werden - als Faustregel sagt man bei Kindern: Lebensalter x 2 = Konzentrationsdauer in Minuten (Quelle: www.chancen-nrw.de), bei Erwachsenen ist die Konzentrationsfähigkeit natürlich länger - aber individuell verschieden. Je länger die Übephase ist, desto länger sollte auch die Erholungspause sein. Zum anderen benötigt das Gehirn die Pausen zum Ordnen und Verarbeiten des Gelernten.
  • Pausen und Inspiration tanken in der Natur: Schon Beethoven wusste um die Inspiration der Natur: So machte er in Wien kleine Spaziergänge am Bach entlang, ließ sich von Vogelstimmen inspirieren und komponierte beim Spazierengehen. Auch heute noch kann man dem "Beethovengang" im Stadtteil Heiligenstadt als Lieblingsspazierweg Beethovens folgen. 

Dies war ein allgemeiner Überblick zu "Üben und Motivation". Insgesamt stecken noch so viel mehr spannende Unterthemen darin. Deshalb werden bestimmt noch weitere Gedanken und Artikel zu Punkten wie, "Flow erleben", "Dranbleib-Faktor", "Setup ändern", "Pausen effektiv nutzen" u.v.m. folgen.

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