Was Musiker von Sportlern lernen können

Fast wie die Jungfrau zum Kinde bin ich vergangene Woche zur Teilnahme bei einem Seminar von Life-Coach und Motivationstrainer Christian Bischoff gekommen. Ich war sehr beeindruckt, wie er mit PowerSongs, viel Bewegung, Jubel, Siegerposen und pushenden Motivationssprüchen über 2.000 Menschen voll in Ihre Energie gebracht hat. Da Christian Bischoff ehemaliger Basketballspieler und -trainer ist, inspirierte mich dies darüber nachzudenken, was Musiker von Sportlern lernen können. 

 

Vorab zunächst einmal die Gemeinsamkeit, die mir zwischen  Sportlern und Musikern spontan einfallen: 

  • beide üben und trainieren hart, um einer der besten ihrer Sportart oder ihrem Instrument zu werden
  • beide können nur durch eine hohe Motivation (z.B. durch Vorbilder als Motivator) Ihre Ziele erreichen
  • beide können nicht nur auf Talent hoffen. Denn der ausschlaggebende Faktor ist nicht Talent, sondern jahrelange, tägliche Arbeit, Disziplin, Ausdauer und Fokussierung . Erfolg basiert prozentual mehr auf harter Arbeit als auf Talent (+ ein wenig Glück gehört auch noch dazu)
  • beide erleben auf dem Weg der Zielerreichung Hochs und Tiefs. Doch Trainingskrisen oder sportliche Niederlagen sind meist die wertvollsten Erfahrungen, aus denen man gestärkt herausgehen kann.
  • beide erleben den sogenannten Flow-Zustand, wenn es gefühlt gerade mal so richtig gut läuft.
  • beide brennen für ihr Ding und sind mit viel Leidenschaft dabei.
  • beide kreieren bewegende Moment, mit denen sie die Herzen ihres Publikums  berühren  

Doch nun zu den Punkten, wo Musiker von Sportlern noch etwas lernen können:

  • beide benötigen mentale Stärke. Spitzensportler arbeiten wie selbstverständlich  mit Mentaltrainern. Doch was ist beispielsweise mit einem Orchestermusiker? Das Bewusstsein hierfür wächst langsam auch im Bereich der Musik.
  • beide trainieren und üben nahezu täglich - aufgrund der hohen körperlichen Belastung findet die Regeneration bei Sportlern ihren Platz im Trainingsplan. Musiker unterschätzen häufig die neben der psychischen auch die vorhandene physische Belastung (bspw. durch die unnatürliche Haltung des Instruments oder Drehung des Körpers)
  • Fake it, until you make it! - Die englische Redensart besagt, dass man bereits so denken soll, als habe man sein Ziel schon erreicht. Die Macht der Körpersprache spielt in vielen Sportarten eine  große Rolle. Es gilt Selbstbewusstsein zu demonstrieren, mit seiner Körpersprache den Gegner bereits vor Spielbeginn zu beeindrucken. Nicht uninteressant für Musiker - auch wenn sie keinen direkten Kontrahenten haben - ein positives mindset und etwas "selfpromotion" vor dem Auftritt kann hilfreich sein 

Und jetzt das Wichtigste ... 

Feiere Dich selbst und Deine Erfolge!

 

Schnelle Zeiten, Tore und Co - ein Sportler definiert sich über messbare Erfolge. Das macht es einfacher zu wissen, wann gejubelt werden darf. Ob auf dem Spielfeld mit den Fans oder mit dem Team in der Kabine - Sportler verstehen es, sich und einen Sieg richtig zu feiern (man erinnere sich an die Siegerposen von Boris Becker).  

 

Aber Gewinnerposen bei Musikern? Hast Du schon mal einen klassischen Gitarristen gesehen, der nach einem Konzert auf dem Boden kniet und mit aus gestreckten Armen gen Himmel jubelt?  

 

Selten läuft bei einem Konzert alles perfekt und es gibt immer einiges zu verbessern. Aufgrund der Nichtmessbarkeit und stattdessen subjektiven Einschätzung der Leistung, fällt das Feiern eines gelungen Konzerts mit glücklichen Zuhörern häufig hinten über. 

 

Viel häufiger sollten wir uns nach einem Auftritt auf die Schulter klopfen und sagen 

"das habe ich gut gemacht". 

 

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